Stefan Burgey

Stefan Burgey

Der rote Faden in meinem Leben ist in Wirklichkeit grün. Es war der Wald — als Sinnbild für die wilde freie Natur —, der immer eine zentrale Rolle gespielt hat. Als Spielplatz der Kindheit, als Rückzugsort der Teenager-Jahre, später als Arbeitsplatz im Forststudium. Letzteres hat zunächst meinen Ansatz im Jugendwaldheim geprägt. Fest entschlossen, mein forstliches Wissen in den Köpfen der Kinder zu verankern, durfte ich das Scheitern dieser gut gemeinten Belehrung erleben. Die Kinder und der Wald haben mich schnell eines Besseren belehrt. Am Ende hat sich der Kreis geschlossen, und ich habe stattdessen anderen Kindern den Wald als Ort für das Freispiel geöffnet. Was bleibt, ist tiefe Dankbarkeit. Dafür, dass etwas in mir die Verbindung zu unseren Mitgeschöpfen erhalten hat. Und dafür, was mich die Jagd gelehrt hat: dass ich kein wildes Tier gegen seinen Willen töten kann. Dass ich nur Beute machen durfte, weil das Tier bereit war, sich zu opfern, damit ich lebe. Das hat mein Verständnis von Leben und Tod nachhaltig verändert. Es geht nicht darum, die Welt vor uns zu retten. Es geht darum, als Mensch von der Spitze der Pyramide hinabzusteigen und sich wieder in den sacred hoop of life einzureihen, in dem jedes Wesen seinen angestammten Platz hat, auch der Mensch. Bäume fällen kann man vom Biber lernen, jagen von den Raubtieren, Gemeinschaft von den Wölfen. Alles ist gut, solange du wild bist.

Förster. Ehemaliger Leiter des Jugendwaldheims Raffelsbrand. Jäger. Hat im JWH aus eigener Einsicht einen Kurswechsel vollzogen — weg von der Belehrung, hin zum Freispiel der Kinder und zu neuen Perspektiven für die begleitenden Erwachsenen im Wald.